
Co-Abhängigkeit
Eine Suchterkrankung betrifft nicht nur den Süchtigen selbst,
sondern auch die Angehörigen leiden unter der Sucht.
Sie registrieren zwar, dass getrunken wird,
aber sie suchen eine Entschuldigung oder Ausreden wie
"die anderen trinken ja auch" oder
"er hat eben mal einen über den Durst getrunken".
Sie ermahnen den Betroffenen zwar, nicht zu viel zu trinken,
dass sich dahinter aber ein Problem verbergen könnte,
wollen sie nicht wahrnehmen.
Es ist für alle Beteiligten schwer,
ein Suchtproblem in der Familie offen einzugestehen.
Denn die Suchterkrankung gehört zu den stigmatisierten,
tabuisierten Krankheiten.
Sucht wird als Schwäche, Versagen oder Schande angesehen.
Die Bemühungen aller Familienmitglieder zielen daher zunächst darauf ab,
die Suchtprobleme zu verheimlichen und
nach außen den Eindruck einer heilen Welt zu vermitteln.
Vor allem Kinder geraten aus dem Gleichgewicht.
Auch wenn die Familie versucht,
das Alkoholproblem von ihnen fernzuhalten,
entwickeln sie meist schnell ein Gespür für Situationen und Probleme.
Kinder lernen in dieser Situation sehr früh,
den Schein zu wahren und zu schweigen.
Sie haben somit zahlreiche Geheimnisse zu hüten.
Und es ist nicht im Interesse der betroffenen Familien,
dass diese Geheimnisse gelüftet werden.
Die oberste Regel lautet:
Niemand soll merken, was bei uns los ist!
Die meisten Angehörigen wissen gar nicht, dass sie mit diesem Verhalten
die Abhängigkeit des süchtigen Menschen noch fördern.
Dieses Verhalten bezeichnet man als Co-Abhängigkeit.
Co-Abhängige sind oft Verbündete des Abhängigen,
ohne dass ihnen das bewusst ist, indem sie u.a.
> Verantwortung für den Alkoholabhängigen übernehmen,
> ihm Aufgaben abnehmen,
> sein Verhalten entschuldigen oder decken,
> ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellen,
> ihre eigenen Gefühle unterdrücken, nicht zeigen oder zugeben.
Die Angehörigen stecken meist in einem Gefühlschaos:
Sie wollen helfen, die Situation aufhalten,
klammern sich an Versprechungen,
müssen aber oft genug erkennen, dass sie scheitern.
Wut, Verwirrung, Hilflosigkeit, Trauer, Angst und vor allem Scham
sind in dieser Situation völlig normale Gefühle.
Die Folgen können Depressionen und
psychosomatische Beschwerden sein wie
Schlafstörungen, Niedergeschlagenheit, Lustlosigkeit,
Magen- und Darmprobleme, Kopf- und Rückenschmerzen,
Atemprobleme, Hörsturz, hoher Blutdruck -
je nachdem, wo der Körper anfällig ist.
Im Extremfall können die Beschwerden so stark sein,
dass die Angehörigen eher sterben als die Süchtigen selbst.
Daher ist es sinnvoll und notwendig, dass die Angehörigen
Hilfe und Behandlung erhalten.
Aus diesem Grund ist der KREUZBUND
eine Selbsthilfeeinrichtung nicht nur für Suchtkranke,
sondern auch für Angehörige.
Dort können die Co-Abhängigen erfahren,
wie andere Angehörige die Krise bewältigt haben
und von deren Erfahrungen profitieren.
Man wird feststellen, dass man mit den Problemen nicht alleine ist.
Man kann den süchtigen Menschen nicht verändern,
aber der Angehörige kann etwas für sich selbst tun.
Wenn man dem Alkoholkranken wirklich helfen will,
heißt das, ihm nicht zu helfen.
Denn erst wenn der Rückhalt aus dem Umfeld fehlt,
ist der Abhängige gezwungen, selbst etwas zu unternehmen.

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